[Public] Anfrage wg BMBF "Citizen Science"

Soenke Zehle soenke at kein.org
Di Jan 7 22:44:47 CET 2020


Hallo Holger, alle,

vielen Dank. Sehr kurzfristig, möchte nichts übers Knie brechen, lieber an
längerfristige Entwicklungen denken, Vertrauen aufbauen. Hatte aber nicht
soweit gedacht wie Du, wichtige Fragen.

Für uns gleicht das Fördersystem einer Lotterie, wir werfen daher
regelmässig Lose in diverse Trommeln. Diese Ausschreibung ist die erste
dreistufige, habe sowas noch nie gesehen. Drei Seiten sind schnell
(um)geschrieben, wir werden auf jeden Fall was abgeben.

Das Konkret-Werden fällt mir schwer, hat man denke ich auch beim
Knowledge-Camp gemerkt, komme da nur gemeinsam mit Kolleg*innen weiter,
aber das wird noch.

Die Stadt Saarbrücken hat zB in ihrem Smart City-Leitbild die Idee der
Teilhabe ins Zentrum gestellt, eigentlich sehr schön, dass es da nicht nur
um Verkehrsflussoptomierung geht.

An sowas lässt sich anknüpfen, um mit offener Hard- und Software sowas wie
Pop-Up Stadtlaborformate zu entwickeln, in denen dann "digitale
Gesellschaft" irgendwie zu etwas Mitgestaltbaren mit Relevanz für
selbstbestimmtes Leben und Arbeiten werden kann (finde zB gut, was die
Ulmer Kolleg*innen im Verschwörhaus machen, oder die
Smart-Citizenship-Kit-Crew aus Barcelona etc).

Als Hightechforschungsstandort kann das Saarland noch viel mehr davon
gebrauchen, sonst bleibt am Ende nur Zukunftsangst (haben mal angefangen,
sowas im Kulturkontext zu initiieren, da geht aber noch mehr
www.maschinenraeume.eu).

Die grundsätzlichen Fragen, die Du aufwirfst, sind aber zu wichtig, um das
alles kurzfristig abzuhandeln.

Das Fördersystem verlangt und produziert bestimmte Organisationsstrukturen
(erinnert sich jemand an School of Rock? Laue Geschichte, aber die
Schulleiterin ist aus Sicht des Gitarristen-Aushilfslehrers "The Man", und
genau so ist es), die teilweise in direktem Widerspruch zu offenen
(anarchischen) Formen der Selbstorganisation stehen.

Da geht es nicht nur um gute Buchführung und Haftungsfragen, sondern darum,
ob freie (zivilgesellschaftliche) Akteure tatsächlich ihre eigenen
Organisationsformen haben.

Wir als gGmbH mit öffentlichem Gesellschafter zB sind ein Hybrid zwischen
Staat und Markt, denken aber am liebsten wie eine freie Kooperative
(probieren da gerade auch Diverses, ua gründen wir gerade eine Koop /
Genossenschaft mit, um diese Welt des kollaborativen Wirtschaftens durch
Mitmachen besser zu verstehen) , haben also vollstes Verständnis dafür,
dass offene Strukturen nicht allein zur Erreichung von Förderfähigkeit
angepasst werden können / sollen.

Denke daher - Budget für einen (generischen, also an keinen besonderen
Akteur gebundenen) Unterauftrag nehmen wir auf jeden Fall mit rein, falls
das Ganze in die nächste Runde geht, können wir uns ja nochmal
zusammensetzen. Aber TKS muss dazu kein Antragssteller sein, ein LOI, der
Interesse an der Durchführung zB einer Workshopreihe dokumentiert würde
auch reichen, ginge aber auch ganz ohne sowas.

Lg,

Soenke


Holger Hewener <holger at hewener.net> schrieb am Di., 7. Jan. 2020, 20:46:

> Hallo Sören und alle anderen,
> als jemand, der an unserem Fraunhofer Institut maßgeblich von BMBF Geldern
> aus solchen und anderen Projektakquisen lebt und diese Gelder auch aktiv
> als Antragschreiber einwerben muss, stehe ich ambivalent zur Aktivität
> unseres Hackerspaces als Projektpartner in einem BMBF Projekt. Ich versuche
> mal zuerst die Vor- und danach die Nachteile darzustellen.
>
> Den bürgerwissenschaftlichen Bereich können wir als Hackerspace sicherlich
> sehr gut darstellen.
> Der Hackerspace arbeitet ausschließlich im nichtwirtschaftlichen Bereich
> und eignet sich somit sehr für eine solche Förderung in dieser
> Ausschreibung. Wir sind ein "bereits existierender Ort des organisierten
> Lernens".
> Zu "Die geförderten Vorhaben sollen innerhalb des jeweiligen
> Forschungsbereichs zu einem substantiellen wissenschaftlichen
> Erkenntnisgewinn beitragen." können wir zwar nicht die substantielle Idee
> bieten, aber in einer Ausführung einer guten Idee teilnehmen.
> Vorteil einer solchen Teilnahme läge in der Möglichkeit der Finanzierung
> neuer Räume und darin stattfindender Aktivitäten. Ob das Mietkosten sind,
> die wir ansetzen können oder Kosten für extern angemietete Örtlichkeiten
> (wie letztes KnowledgeCamp) sind sei mal offen.
> Positiv für uns ist, dass niemand bzgl. Personalmittel von einer solchen
> Förderung abhängig wäre. Somit wäre unser Anteil einer Förderung eher
> gering und würde hauptsächlich Infrastruktur umfassen (Mieten, externe
> Kosten, etwas Material).
> Die Gemeinnützigkeit und unsere Vergangenheit wäre etwas was man gut
> darstellen und auch mit "Vorarbeiten" unterfüttern könnte.
>
> Auf der Nachteilsseite stehen leider diverse Dinge:
> Verpflichtung, die man damit eingeht... man muss halt was abliefern und
> viele bei uns sind nur locker an der Verein gebunden. Es muss sich somit
> ein Kern finden, der sich der Sache verbunden fühlt und vor allem auch -
> falls mal die Lust ein paar Wochen nicht vorherrscht - Aktivität zeigt und
> an der Sache arbeitet.
> Die Garantie hierzu muss aber der Vorstand geben... und das leider auch
> mit privater Verantwortung und sogar auch Haftung...vor allem bei der
> Finanzierung bzw. Ausgabe der Finanzierung. Wir bräuchten eine belastbare
> Buchhaltung, die sowohl Vergaberecht als auch alle Anforderungen des
> Bundesrechnungshofes oder ähnlichem standhält. So tiefgehend waren bisher
> unsere Anforderungen seitens des Finanzamtes und unserer Gemeinnützigkeit
> noch nicht gewesen. Die Haftungsfrage ist auch bei meinem Hauptarbeitgeber
> Fraunhofer als gemeinnütziger Verein zur Förderung der Forschung auch immer
> ein Thema, weil auch dort der Vorstand als einzige Institution haftet, aber
> das auch privat und persönlich. Ich denke, wenn der TKS ein solches Projekt
> mitmacht würden wir externe Buchhaltung und Beratung einbeziehen müssen,
> was nicht unmöglich ist.
> So ist in Kapitel 3, Vorbedingung b) und c) für uns bisher etwas, was wir
> noch nicht etabliert haben:
> "b) Sicherung einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung, insbesondere
> Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) im Rahmen des
> Rechnungswesens;
> c) Gewähr für eine zweckentsprechende, wirtschaftliche und sparsame
> Verwendung der Fördermittel sowie bestimmungsgemäßer Nachweis derselben."
> Zusätzlich müssten wir einen Kooperationsvertrag mit schließen, den auch
> unser Vorstand dann zeichnen und somit verantworten müsste. Das haben wir
> bisher auch noch nicht gemacht.
>
> In Anträgen, die ich immer so an die Projektträger und das BMBF stelle
> sind regelmäßig zu kleine Partner ein Problem. Ich hatte bereits Vereine
> ohne feste Angestellte, die dem BMBF zu klein waren und somit nicht
> förderfähig waren bzw. bei zu geringer Gesamtsumme eher als
> Unterauftragnehmer integriert werden sollten. Vielleicht könnten wir auch
> sowas andenken mit Kosten für dedizierte Veranstaltungen oder so, die bei
> euch oder einem anderen Partner integriert werden sollten.
>
> Ich sehe leider in der Skizze von euch auch noch keine konkreten
> Anknüpfungspunkte und mögliche Arbeitspaketinhalte, die wir bearbeiten /
> bedienen könnten. Dies müsste ganz klar konkretisiert werden. Außerdem
> verstehe ich nicht was ihr konkret geplant hattet, nachdem ich euren
> Skizzenentwurf gelesen habe.
>
> Insgesamt ist die Idee interessant, aber müsste mal zusammen am Tisch
> ausgearbeitet werden. Am problematischsten finde ich, dass die erste Stufe
> mit der Skizze bereits am Freitag fällig ist. Eure Skizze sieht schon gut
> aus und wird für einen Dreiseiter sicherlich ausreichend Material bieten,
> um zu schauen ob es gefördert wird. Aber trotzdem müsste bis dahin unser
> Vorstand sich dazu committen, was zeitkritisch ist bei den Unklarheiten.
> Dazu musst Du vor allem mal mit Thomas, Jochen und Jan mal konkret reden.
>
> Ich hoffe meine 2 cent dazu beigetragen zu haben....
> Falls der TKS an diesem Antrag teilnehmen will sollten wir uns spätestens
> nach möglichem positiven Signal der ersten Phase an einem Tisch mal
> zusammensetzen und das alles auch für uns konkretisieren.
> Gruß
> Holger
>
> -----Ursprüngliche Nachricht-----
> Von: Public <public-bounces at lists.hacksaar.de> Im Auftrag von Soenke Zehle
> Gesendet: Dienstag, 7. Januar 2020 16:17
> An: Öffentliche Liste Technik Kultur Saar e.V. <public at lists.hacksaar.de>
> Betreff: Re: [Public] Anfrage wg BMBF "Citizen Science"
>
> Hallo Thomas,
>
> Notizen hier (wir warten auf die Nextcloud / Collabora-Hochschul-Kombo des
> Rechenzentrums, bis dahin Gdoc, sorry)
>
>
> https://docs.google.com/document/d/18u82_L4Dh5m4YPHkxLN-H1EvzoEBhmKc4NeHQtXis4k/edit
>
> lg,
>
> Soenke
>
> Am Di., 7. Jan. 2020 um 13:40 Uhr schrieb Thomas Darimont via Public
> <public at lists.hacksaar.de>:
> >
> > Hallo Soenke,
> >
> > ich finde das interessant, kannst uns gerne mal ein paar weitere Infos
> zukommen lassen.
> >
> > Viele Grüße,
> > Thomas
> >
> > On Tue, 7 Jan 2020 at 13:30, Soenke Zehle <soenke at kein.org> wrote:
> >>
> >> Hallo zusammen,
> >>
> >> etwas knapp, aber Neujahr etc. Also - wir basteln gerade an einem
> >> Antrag für diese Ausschreibung und fänden es toll, wenn TKS Partner
> >> würde (damit ließe sich dann u.a. auch ein neuer Makerspace bzw
> >> entsprechende Aktivitäten dort kofinanzieren):
> >>
> >> https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachung-2668.html
> >>
> >> Interesse? Falls ja schicke ich mehr Info. Geht um sowas wie
> >> https://smartcitizen.me/
> >>
> >> lg,
> >>
> >> Soenke
> >> --
> >> public at lists.hacksaar.de - Öffentliche Liste Technik Kultur Saar e.V.
> >> Konfiguration: https://lists.hacksaar.de/listinfo/public
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